Energiewende vor Ort erleben: Weiterbildungsfahrt Erneuerbare Energien

Weiterbildungsfahrt Erneuerbare Energien 2026 bringt Fachpraxis und regionale Projekte in Thüringen zusammen

Foto: Gruppenfoto bei der PV-Freiflächenanlage Henschleben, Quelle: ThEEN 2026

Bereits seit 2018 bringt die Weiterbildungsfahrt Erneuerbare Energien Vertreter:innen aus Verwaltung, Wirtschaft und Kommunen direkt zu Thüringens Erneuerbaren Energieanlagen. Auch 2026 rollte der Bus wieder über die Landstraßen – organisiert von der Servicestelle Windenergie der ThEGA – Thüringer Energie und Greentech Agentur, in Kooperation mit dem ThEEN Innovationscluster für Transformationstechnologien und dem Bundesverband WindEnergie e.V., Landesgruppe Thüringen. Ziel der Veranstaltung ist es, Erfahrungen zu erfolgreichen Erneuerbare-Energien-Projekten zu vermitteln und den Austausch der Akteure zu fördern.

Gemeinsam mit rund 40 Kommunalvertreterinnen und -vertretern wurden drei spannende Projekte besucht, die eindrucksvoll zeigen, wie Energiewende vor Ort gelingen kann.

Erste Station: Wärme mit Bürgerbeteiligung – Kaltes Nahwärmenetz Werther

Die diesjährige Weiterbildungsfahrt startete in der nordthüringer Ortschaft Werther. Dort begrüßte Rainer Große von der Energiegenossenschaft Helmetal eG die Teilnehmenden und stellte das erste Kaltwärmenetz Ostdeutschlands vor, welches gemeinsam mit der TWS Thüringer Wärme Service GmbH umgesetzt wurde. Seit 2021 können bis zu 33 EF-häuser im Wohngebiet über ein 8.000 m2 großes Kollektorfeld mit Quellenergie für Wärmepumpen versorgt werden. Damit heizen sie unabhängig von Gas- und Ölpreisentwicklungen. Die Idee dahinter ist, dass Grundstückseigentümer einen einmaligen Beitrag in Höhe von 3.500 € für den Anschluss an das Wärmenetz sowie eine monatliche Netzgebühr zahlen. Diese können als Genossenschaftsmitglied zudem Miteigentümer ihres Netzes werden und partizipieren über Renditezahlungen zusätzlich am wirtschaftlichen Erfolg der EG.

Zweite Station: Regionale Wertschöpfung mit Solarstrom – PV-Freiflächenanlage mit Batteriespeicher Henschleben

Nächster Halt war die PV-Freiflächenanlage in Henschleben, wo Stephan Riedel von der naturstrom AG die Teilnehmenden empfing. Thüringens erster Solarpark mit Batteriespeicher befindet sich seit 2021 auf einer ehemaligen Mülleponie. Der 21,5 Hektar große Park produziert pro Jahr rund 23 Mio. Kilowattstunden sauberen Strom, womit ca. 7.100 Haushalte versorgt werden können. Zusätzlich sorgt der Batteriespeicher mit einer Kapazität von 1.000 kWh für eine zusätzliche Netzentlastung. Eine ganzjährige Beweidung durch Schafe sorgt für optimale Flächennutzung und verhindert zudem die Verschattung der Module. Spannend ist, dass neben dem Klimaschutz auch die Standortkommune direkt durch Gewerbesteuern und regelmäßige Pachteinnahmen aus dem Solarpark profitiert.

Dritte Station: Windpark Dachwig / Döllstädt zeigt wie Beteiligung Akzeptanz steigert

An der letzten Station wurde die Gruppe durch Benjamin Nowak von der PNE AG begrüßt. Im Anschluss erklärte Projektleiter Jens Peters die Entstehungsgeschichte des Windparks von der ersten Planung 2015 bis zu Inbetriebnahme Anfang 2025. Zwei Anlagen mit jeweils 5,7 MW Leistung und 237 m Höhe versorgen rund 6.000 Haushalte mit Strom. Das Projekt zeichnete sich durch eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Kommunen sowie durch aktive Bürgerbeteiligung mit transparenter Kommunikation aus. Diese wurden seit den ersten Planungen in das Projekt eingebunden, bspw. durch Informationsveranstaltungen. Zusätzlich profitieren umliegende Gemeinden finanziell durch eine Beteiligung, während ökologische Ausgleichsmaßnahmen wie Streuobstwiesen und das Beseitigen einer illegalen Müllhalde in der Gemeinde die Akzeptanz weiter steigern.

Die Teilnehmenden erhielten ein Weiterbildungszertifikat mit Anerkennung durch die Ingenieurkammer Thüringen (IKTh). Die ThEGA, der BWE und der ThEEN danken allen Beteiligten und freuen sich auf die Fortsetzung des erfolgreichen Formats im kommenden Jahr.